Jowita Ossowska klaute sich den Ball  und dribbelte nach vorn. Ein weiterer Treffer – und der TKH wäre bis auf sechs Zähler dran gewesen. Die übermächtigen Rheinland Lions wären möglicherweise das erste Mal in dieser Saison ins Wanken geraten. Doch niemand warnte Ossowska laut genug vor den Gegnerhänden in ihrem Rücken. Die Lions klauten sich den Ball zurück, Mehryn Kraker verwandelte den Dreier. Statt 62:68 stand es jetzt 60:71 aus TKH-Sicht – die massive Aufholjagd der Luchse nach zwischendurch 21 Punkten Rückstand war fünf Minuten vor dem Ende gestoppt.

Die Lions hielten den Vorsprung, gewannen gefahrlos mit 79:67 und bleiben in der Frauen-Bundesliga unbesiegt. Die Luchse kassierten hingegen nach dem 72:83 gegen die Rutronik Stars Keltern vor eine Woche eine weitere empfindliche Pleite gegen einen Titelkandidaten.

Schuld war ein katastrophales erstes Viertel, das Hannover mit 14:33 verlor. Diesen rund 20 Punkten liefen die Luchse in der Folge ewig hinterher. „Trotzdem hatten sie definitiv eine Chance“, sagte der neue deutsche Bundestrainer Walt Hopkins. „Rheinlands Energie zu Beginn war einfach ein Level höher. Hannover hatte diese Energie irgendwann auch, aber da war es schon zu spät“, sagte Zuschauer Hopkins. „Hannover darf einfach nicht so starten.“

In den ersten fünf Minuten liefen die Luchse schon ständig einem Rückstand hinterher, blieben aber bis zum 9:12 dran. Fünf schnelle Punkte durch die Gäste sorgten dafür, dass TKH-Trainerin Sidney Parsons, Hopkins Assistentin beim Nationalteam,  die erste Auszeit nehmen musste. Bis dahin hatte ihr Team gerade mal drei Würfe aus dem Feld getroffen. Die Zusammenkunft an der Bank brachte aber nichts. Für die Luchse lief es weiter schlecht. Ein 0:10-Lauf gegen Ende des ersten Viertels ließ den Rückstand auf zu diesem Zeitpunkt gigantische 19 Punkte wachsen.

„Uns haben Spannung, Energie, Kommunikation und Konzentration gefehlt“, kritisierte Parsons. Sie rätselte, warum. „Wir haben die Woche super trainiert, hatten einen Plan, waren voll fokussiert.“ Ihr Team war schnell entzaubert. Rheinland spielte den TKH mit perfektem Passspiel phasenweise schwindelig, fast jeder Wurf saß. Hannover war völlig überfordert, die Abwehr zu langsam auf den Beinen.

Ab dem zweiten Viertel lief es besser. Mit dem 30:41 durch Rowie Jongeling war der Vorsprung der Gäste auf elf Punkte geschrumpft. Ging etwa doch noch etwas für die kämpfenden Luchse? Krystina Branbencovas Zweier zum 34:49 mit dem Halbzeit-Buzzer ließ Hannover das Viertel mit 20:16 gewinnen.  Im dritten Viertel wehrte. Rheinland den nächsten Annäherungsversuch ab und zog wieder auf 20 Punkte davon (62:42). Das war aber immer noch nicht die Entscheidung, weil die Luchse Biss zeigten und das Viertel mit einem 6:0-Lauf zum 48:62 beendeten.

Hallensprecher Bodo Gerdes blies im Schlussabschnitt übers Mikro zur „Attacke“. Topscorerin Angel Rizor und Aufbauspielerin Dara Taylor rissen das Spiel an sich. „Dara war phänomenal, fantastisch“, lobte Hopkins. Der Rest des Teams aber viel ab. Außer Taylor und Rizor punktete niemand zweistellig. Und nach Ossowskas Ballverlust war die Luft raus. TKH-Teammanagerin Doro Richter gestand, dass die Luchse „vielleicht zu weich“ gegen die Lions waren. Daran können sie in der Länderspielpause arbeiten. Das nächste Spiel ist erst am 4. Dezember zu Hause gegen Marburg.

TKH-Punkte: Rizor 22, Taylor 18, Stockton 8, Roscoe 6, Jongeling 6, Ossowska 3, Konstantinidou 2, Brabencova 2.

(Simon Lange, Neue Presse; Foto: Florian Petrow)

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